Der Neuenkirchener Oliver Krey hat im Inspektionswagen die Kanäle gut im Blick. | Foto: Klausing

Der Neuenkirchener Oliver Krey hat im Inspektionswagen die Kanäle gut im Blick. | Foto: Klausing

Sie kennen sich im Neuenkirchener Untergrund aus: Oliver Krey und Matthias Kuhlmann sind Kanalinspektoren und in den nächsten Wochen im ganzen Gemeindegebiet unterwegs, um einige öffentliche Kanäle mit ihrer Kamera in Augenschein zu nehmen. Im Auftrag der Gemeinde untersuchen die beiden Kanalinspektoren das Abwassersystem und kartographieren gleichzeitig die Hausanschlüsse, die unterhalb der öffentlichen Fläche verlaufen. „Wir machen keine verdeckte Dichtheitsprüfung“, erklärt der Neuenkirchener Oliver Krey.

Matthias Kuhlmann mit der justierten Lindauer Schere. | Foto: Klausing

Matthias Kuhlmann mit der justierten Lindauer Schere. | Foto: Klausing

Vielmehr werden im Zuge der Untersuchung die verlegten Hausanschlüsse mit eingemessen, um bei Arbeiten im öffentlichen Raum genau zu wissen, was im Untergrund verläuft. „Wir fahren dabei nur bis zur Grundstücksgrenze oder höchstens bis zum Kontrollschacht, wenn der nahe der Grenze liegt“, berichtet Krey weiter. Zum Einsatz kommt dabei die sogenannte Lindauer Schere, die nicht nur ein Bild aus dem Kanal liefert, sondern gleich noch Durchmesser, Neigung und Richtung mit aufzeichnet. Damit könne dann sogar ein exaktes 3D-Modell der Kanalisation erstellt werden.

Ratten hauen vorher ab

„Wir könnten sogar die Untersuchung im privaten Bereich mitmachen, wenn wir eh vor Ort sind“, bestätigt Geschäftsführer Christian Uhlenbrock auf Anfrage. Allerdings müsse dazu ein Auftrag vorliegen. Preislich könnte er den Privathaushalten dann sogar entgegenkommen, da die Fahrzeuge ja bereits vor Ort seien, so Uhlenbrock weiter.

Neuenkirchens Unterwelt: Die Lindauer Zange (r.) macht sich auf den Weg. | Foto: Klausing

Neuenkirchens Unterwelt: Die Lindauer Zange (r.) macht sich auf den Weg. | Foto: Klausing


Etwas Außergewöhnliches hat Oliver Krey im Neuenkirchener Untergrund mit seiner Kamera noch nicht gefunden. „Einmal steckte ein Besteckmesser im Kanal fest, es hatte sich in einer Fuge verhakt“, berichtet Krey. Ratten kommen ihm dagegen kaum vor die Linse. „Die hauen meistens schon vorher ab, wenn die uns hören oder die Kamera mit dem Licht näherkommt“, weiß der Kanalinspektor. Wenn es dennoch vorkommt, wird der Standort genau festgehalten und an die Gemeinde weitergegeben.

Keinen Riss übersehen

Damit Krey überhaupt etwas mit seiner Kamera sehen kann, fährt vorher der Spül- und Saugwagen die Kanäle an, die es zu untersuchen gilt. „Ich muss das komplette Rohr sehen können“, erklärt Krey weiter. „Wenn Sand oder Dreck in der Laufrinne ist, kann das Rohr zwar oben und an den Seiten intakt sein, aber ich übersehe dann vielleicht den Riss in der Rinne“, so Krey weiter. Daher werden vor jeder Inspektion die Rohre gereinigt. Dabei wird der Spülwagen einmal mit Wasser gefüllt, dann die Leitung gespült, das Wasser wieder eingesaugt und wiederverwendet.

Aus den Daten der Kamerabefahrung kann ein 3D-Modell der Kanalisation erstellt werden. | Foto: Klausing.

Aus den Daten der Kamerabefahrung kann ein 3D-Modell der Kanalisation erstellt werden. | Foto: Klausing.

Nach den Regenfällen in den vergangenen Monaten werden die Kanalinspektoren oft angesprochen, ob sie genau deswegen da sind. Sind sie aber nicht – zumindest nicht in erster Linie. „Klar hilft es auch, wenn wir die Leitungen wegen der Inspektion freimachen oder Schäden finden, die den Ablauf des Wassers behindern“, so Krey. Aber so eine Routineuntersuchung sei halt alle paar Jahre mal fällig.

 

Info: Überprüfungen der privaten Abwasserleitungen im Zuge der Kanalinspektion können bei Uhlenbrock Rohrreinigung, Telefon (02572) 9 72 11, angefragt werden.