Der Einladung zum Ortstermin waren zahlreiche Nachbarn gefolgt. | Foto: Klausing

Der Einladung zum Ortstermin waren zahlreiche Nachbarn gefolgt. | Foto: Klausing

Im Juni hat es die Anwohner der Kreyenburg und am Hasenhügel schwer getroffen. Durch die starken Regenfälle in der Nacht zum 24. Juni sind etliche Keller vollgelaufen – zum wiederholten Male. Von der Gemeinde fühlten sich die Nachbarschaften im Stich gelassen. In einem Schreiben an den Bürgermeister machten sie ihren Unmut Luft.

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Zwei Pumpen im Schacht der Pumpstation Kreyenburg fördern bei Hochwasser 100.000 Liter pro Stunde. | Foto: Klausing

Darin heißt es unter anderem, dass die Straßen teilweise einen halben Meter unter Wasser standen und als Kanäle dienten. Auch würden die Keller immer dann voll laufen, wenn die Pumpstation an der Kreyenburg eine Störung durch die Signallampe bei starken Regenfällen signalisieren würde. Gleichzeitig schlugen die Anwohner vor, künftig in den Neubaugebieten über Regenrückhaltebecken nachzudenken. 71 Nachbarn haben das Schreiben an den Rat und die Gemeinde unterzeichnet, Detlef Willems (Kreyenburg) und Bernhard Altenhülsing (Hasenhügel) haben es Ende August persönlich bei Franz Möllering abgegeben.

Ortstermin an der Pumpstation

Wolfgang Löbbers von der Kläranlage erklärt die Pumpstation. | Foto: Klausing

Wolfgang Löbbers von der Kläranlage erklärt die Pumpstation. | Foto: Klausing

Das die Anwohner mit ihrem Sorgen nicht alleine stehen, machte Möllering am Donnerstagabend beim Ortstermin an der Pumpstation Kreyenburg deutlich. „Wir kennen die Probleme und wollen eine Lösung finden“, so Möllering. Aber: „Bei den Regenmengen, die in der Nacht heruntergekommen sind, ist jede Kanalisation überfordert.“ Rund 30 Anwohner waren der Einladung des Bürgermeisters gefolgt, um sich die Pumpstation anzuschauen, aber auch um ihre Sorgen aus erster Hand zu berichten.

Dazu standen Norbert Wening vom Bauamt, Wolfgang Löbbers und Benedikt Heusler von der Kläranlage Rede und Antwort. Löbbers erklärte die Funktion der Pumpstation, in der zwei Pumpen etwa 100 Kubikmeter Wasser pro Stunde in den nächsten Kanal pumpen können. „Das Ganze nützt doch nichts, wenn die Pumpen immer eine Störung haben, wenn das Wasser in unsere Keller läuft!“, kam es aus den Reihen der Anlieger.

„Die Warnlampe war an!“

Wenn diese Lampe an der Pumpstation an ist, liegt einer Störung oder Hochwasseralarm vor. | Foto: Klausing

Wenn diese Lampe an der Pumpstation an ist, liegt einer Störung oder Hochwasseralarm vor. | Foto: Klausing

„Wie haben sie denn festgestellt, dass die Pumpen in der Nacht nicht gelaufen sind?“, wollte Wening von den Nachbarn wissen. „Natürlich, weil die Warnlampe an war“, so die Anwohner der Kreyenburg, dass könne doch nicht richtig sein.


„Doch, das muss so sein“, erklärte Löbbers. Ja, die Warnleuchte auf dem Verteilerkasten der Pumpstation blinkt, wenn eine Störung vorliegt. Sie blinkt aber auch, wenn eine Hochwasserlage vorliegt. „In beiden Fällen bekommt der Bereitschaftsdienst der Kläranlage eine Nachricht auf das Mobiltelefon“, so Löbbers. Darin steht dann, ob etwas gestört ist oder die Anlage im Hochwasserbetrieb arbeitet. Letzteres ist in der Regel der Fall, denn die zwölf Pumpstationen in der Gemeinde werden wöchentlich kontrolliert und gewartet, so dass ein Defekt eher unwahrscheinlich sei.

100.000 Liter pro Stunde

Bei Hochwasser oder Störungen erhalten die Mitarbeiter der Kläranlage eine Nachricht auf das Bereitschaftshandy. | Foto: Klausing

Bei Hochwasser oder Störungen erhalten die Mitarbeiter der Kläranlage eine Nachricht auf das Bereitschaftshandy. | Foto: Klausing

„Im Normalfall pumpen die Pumpen abwechselnd das Schmutzwasser ab, wenn ein gewisser Pegel erreicht wird“, erklärt Löbbers weiter. Steigt dieser bei Regen deutlich höher an, arbeiten beide Pumpen gleichzeitig und fördern dann 100.000 Liter in der Stunde. Wenn das Wasser weiter steigt, wird irgendwann der Hochwasseralarm – und auch die Kontrolllampe – ausgelöst.

Dann laufe das Wasser aber meistens schon über die Straße, denn die Kanäle seien voll und können kein Wasser mehr aufnehmen, so Löbbers. Wenn das Wasser wieder regulär abfließen kann und der Pegel sinkt, geht auch die Warnlampe wieder aus, sofern sie nicht bereits durch den Bereitschaftsdienst quittiert wurde. „Sie sehen also, wenn die Lampe bei Hochwasser an ist, laufen die Pumpen bereits auf Hochtouren“, so Möllering.

Kanäle werden neu vermessen

Nachdem die Nachbarn nun überzeugt waren, dass keine Störungen am Pumpwerk vorliegen, wenn das Wasser ansteigt, wurde gleich nach neuen Lösungen gesucht. „Ein Regenrückhaltebecken im Neubaugebiet“, schlug ein Nachbar vor. Oder eine Mauer zur Welschen Stiege und Richtung Dorfmitte, „denn von dort kriegen wir immer das ganze Wasser wenn es regnet“, schlug ein anderer Nachbar vor.

Oder einfach die alten Gräben breiter machen, damit das Wasser schneller aus dem Wohngebiet hinaus fließen kann. „Irgendwann zahlen unsere Versicherungen nicht mehr, wenn hier nichts getan wird“, ist die große Sorge der Anwohner, und sie sehen da auch die Gemeinde in der Pflicht.

Dass etwas getan werden muss, sieht auch die Verwaltung. „Wir werden im kommenden Jahr das Abwassersystem neu vermessen und dann entsprechend handeln“, verspricht Möllering. Bis dahin müssen die Bewohner am Hasenhügel und der Kreyenburg noch mit Sorge auf den Wetterbericht achten und selbst Vorsorge treffen, wenn wieder ein Starkregenereignis droht. Einige haben sich bereits wasser- und druckdichte Fenster im Keller einbauen lassen.

Bürgermeister Franz Möllering (l.) Und Karl Wening vom Bauamt werfen mit den Anwohner einen Blick in die Karte. | Foto: Klausing

Bürgermeister Franz Möllering (l.) und Karl Wening vom Bauamt werfen mit den Anwohner einen Blick in die Karte mit dem Kanalsystem der Gemeinde. | Foto: Klausing