Das „tante ju“ soll in den Keller ziehen, um Platz für die Bücherei zu machen. | Foto: Florian Klausing

Während sich die Bücherwürmer über die geplante Vergrößerung der Katholischen Öffentlichen Bücherei St. Anna (Mitteilungsblatt berichtete) freuen, sind die designierten Kellerkinder der Jugendverbände alles andere als begeistert. Von den Verantwortlichen fühlen sie sich vor vollendete Tatsachen gesetzt. „Wir sind montags zu einer Besprechung am Mittwoch eingeladen worden“, erklärt Marcel Deiters vom Vorstand der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) Neuenkirchen im Gespräch mit dem Mitteilungsblatt. Dort habe man den Jugendverbänden das Konzept vorgestellt, „bevor wir es aus der Zeitung erfahren“, ergänzt Kevin Volkert (CAJ).

„Damit verschlechtern wir uns enorm“

Kevin Volkert, Marcel Deiters und Tobias Kappelhoff (v.l.) | Foto: Heuermann

Mit der Lösung, die christlichen Jugendverbände (CAJ, Landjugend, Messdienergemeinschaft) in den Keller der Friedenstraße 10 unterzubringen, soll die Möglichkeit geschaffen werden, die Bücherei im Erdgeschoss barrierefrei zu vergrößern. Dafür bekommen die Jugendlichen den frei werdenden Platz im Keller. Im Sachausschuss Jugend (SAJ) war man sich schnell einig, dass das keine befriedigende Lösung sei. „Damit verschlechtern wir uns enorm. Wir haben dann keinen großen Raum mehr, den wir gemeinsam nutzen können“, erklärt Deiters.

Auch die Messdiener, bei denen sich die Gruppenstunden in der Woche durchaus öfters überschneiden, müssen dann künftig mit einem Raum klarkommen. „Wie soll das denn funktionieren?“, fragt sich auch Tobias Kappelhoff, 2. Vorsitzender der Messdienergemeinschaft. Das Angebot, dass die Jugendgruppen künftig zusätzlich das Karl-Leisner-Haus nutzen dürfen, halten sie für eine nette, aber nicht praktikable Geste. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dort mit 30 Kindern was machen können, wenn nebendran der Kirchenchor probt“, sagt Kappelhoff. Und weiter: „Selbst, wenn wir mit denen Gruppenarbeit machen, werden immer mal wieder einzelne rumtoben, dass lässt sich gar nicht vermeiden.“


Dafür wurde sonst der große Raum im Tante Ju von allen Jugendverbänden gleichermaßen genutzt, der nun für die Bücherei umgebaut werden soll. Auch werden dort Vorstandssitzungen und Versammlungen durchgeführt, ebenso die Anmeldungen für die CAJ-Actionwoche oder das Ferienlager. „Da kamen dann durchaus schon mal Eltern für 100 Kinder zusammen. Und die sollen jetzt alle in den Keller kommen?“, wundert sich Deiters. Zumal auch viele Eltern mit Kinderwagen kommen. Der muss dann künftig draußen stehen bleiben, denn der Keller wird nicht barrierefrei, was auch ein Problem für Kinder ist, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind.

Ausbau zu Lasten der Kinder

Für die Kleinen ein Mauseloch im Keller, dann ist oben mehr Platz für die Bestseller. | Karikatur: H. Schwarze Blanke

Das an dem Gebäude etwas gemacht werden muss, sehen auch die Jugendverbände ein. Einige Stellen sind schimmelig, die Heizungen funktionieren nicht immer, ab und an kommt es auch zu einem Wasserschaden. „Aber es wäre schön gewesen, wenn man sich mit uns einmal zusammengesetzt hätte“, so Deiters. Zwar habe es eine Besprechung bezüglich der Umgestaltung gegeben, „aber da hat man uns nicht mal ausreden lassen“, empört sich Kappelhoff. „Wir machen hier alles ehrenamtlich, kümmern uns das ganze Jahr um die Kinder und Jugendlichen, bieten in den Ferien verschiedene Programme an“, erklärt Deiters. „Statt uns mehr zu unterstützen, müssen wir oft hinterherrennen – und jetzt das!“ Auch die Nutzung der Schulen während der Ferienaktionen sei längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Verständnis für den Ausbau der Bücherei zu Lasten der Jugend haben die Verbände wenig. „Ich glaube nicht, dass in der größeren Bücherei mehr los sein wird, als jetzt“, so Volkert. Zumal die Medien zunehmend digitaler werden und immer mehr Leute mit einem E-Book-Reader unterwegs sind und die Schulen über gut ausgestattete Büchereien verfügen. Für Weihnachten wünschen sich die Jugendvorstände, dass die Verantwortlichen noch einmal die Planungen überdenken und sich mit den Jugendlichen auf Augenhöhe Anfang des Jahres einmal zusammensetzen.