Mit 3D-Ansichten und Fotomontagen stellte Ernsting sein Projekt vor. | Foto: Stefan Klausing

Das Interesse an den neuen Häusern – den Seekiekern-, die Architekt Markus Ernsting auf dem Gelände der ehemaligen Spedition Debitsch plant (Mitteilungsblatt berichtete), war am Mittwochabend groß. Besonders die Anlieger der Nachbarschaft interessierten sich brennend für die zweigeschossigen, mit Staffelgeschoss versehenen Häuser an der Ecke Schützenstraße/Zum Offlumer See. Aber auch Mitglieder der verschiedenen Fraktionen waren unter den Zuhörern, um sich für die spätere Entscheidungsfindung ein Bild machen zu können. Insgesamt waren gut 50 Besucher anwesend.

Die Gemengelage bei den Nachbarn war dabei recht unterschiedlich. Die einen befürchten eine Wertminderung ihrer eigenen Immobilie, andere möchten nicht, das künftig 20 bis 30 neue Nachbarn aus erhöhter Position in den eigenen Garten spähen können. Weitere Kritikpunkte an den Plänen waren auch das erhöhte Verkehrsaufkommen, der Schattenwurf zu den unterschiedlichen Tageszeiten oder einfach nur aus Protest, weil man selbst nicht in der Form bauen durfte, denn für die Siedlung gibt es einen Bebauungsplan, für das Debitschgelände nicht.

Kein Bebauungsplan

Simulationen zeigen den Schattenwurf der Gebäude zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten. | Foto: Stefan Klausing

„Dann gilt der Paragraph 34 des Baugesetzbuches, der eine Bebauung zulässt, wenn sie sich der Umgebung anpasst“, erklärte Bauamtsleiter Philipp Hänsel den Anwesenden. „Und daran habe ich mich gehalten“, versicherte Ernsting. „Ich möchte hier nichts schön rechnen oder manipulieren, sondern präsentiere ihnen hier, was ich auch als Neuenkirchener vertreten kann“, so Ernsting. So habe er die Baugrenzen und Fluchten eingehalten, und auch die Höhe der Häuser entspreche dem Umfeld, so dass die Anforderungen des „34er“ erfüllt seien.


„Das mag ja wohl sein, aber wo gibt es denn in der Umgebung Häuser mit Flachdach und Staffelgeschoss“, kam die Frage aus dem Plenum. Damit würden die Häuser sich nicht der Umgebung anpassen. „Und wenn man bedenkt, dass Herr Ernsting schräg gegenüber noch einmal ein so großes Grundstück besitzt – das ziemlich heruntergekommen ist -, wird damit doch die Grundlage geschaffen, dass dort auch solche Häuser entstehen“, merkte ein anderer Zuhörer an. Gegen eine Aufwertung des Quartiers habe man ja grundsätzlich nichts, aber da würden doch eher Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften hingehören, so die Nachbarn.

Ruhe oder Unruhe

„Für junge Familien entstehen in Neuenkirchen derzeit überall Baugebiete, in denen solche Häuser gebaut werden. Was fehlt sind Wohnungen, die werden immer wieder nachgefragt“, so Ernsting. Seine Klientel wären dabei Junggesellen oder kinderlose Paare der Generation 55+, die ihre Ruhe in einer schönen Gegend suchen. „Von Ruhe kann dort keine Rede sein“, konterte eine Anwohnerin. „Wenn da die Jugendlichen über den Bahndamm ziehen oder am See wieder irgendeine Party ist, dann kann man nicht von Ruhe sprechen. Erst recht, wenn das Seecafé eröffnet und noch mehr Verkehr herrscht.“

Nun ist es an Politik und Verwaltung, dem Vorhaben statt zugeben oder die rechtliche Situation anzupassen. Es wird sicherlich Thema in den nächsten Bauausschüssen sein. Der Auftrag der Anwohner an die gewählten Ratsmitglieder war am Mittwochabend klar: „Verhindern sie diese Häuser!“

Knapp 50 Zuhörer – Anlieger und Politiker – sind zum Info-Abend im Rathaus erschienen. | Foto: Stefan Klausing

 

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Seekieker-Projekt am Offlumer See

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