Uli Masuth | Foto: privat

Der Kabarettist Uli Masuth tritt mit seinem Programm „und jetzt die gute Nachricht“ am Donnerstag, 9. März, um 20 Uhr im Rathaus Neuenkirchen auf. Nur noch wenige Restkarten sind im Vorverkauf verfügbar, teilt Kulturbeauftragter Janis Große Wöstmann mit.

Uli Masuth ist Komponist, Kabarettist, Klavierist, Wahl-Weimarer, Förderpreisträger des Rockbüros NRW, Preisträger des WDR-Wettbewerbs „Stadtmusik“, Gewinner des Kabarettpreises der Obernburger Kochsmühle und des Reinheimer Satirelöwen 2008.

„Und jetzt die gute Nachricht!“ heißt sein viertes Soloprogramm – ständig aktualisierte Fassung – also immer wieder anders, heißt es in der Ankündigung. Uli Masuth nutzt nicht nur den „Degen“ Ironie, sondern auch das mächtige Schwert „Sarkasmus“, sein Stil ist ziel- und treffsicher, geistvoll und respektlos auf erstaunlich hohem Niveau. Ein charmanter Boshaftigkeitenplauderer, der die Lachmuskeln seines Publikums zu strapazieren weiß.

Uli Masuth im Interview:

Es heißt doch immer: „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.“ Gilt das nicht auch fürs Kabarett?
Uli Masuth: Ich habe festgestellt, dass im politischen Kabarett immer draufgehauen wird. Deshalb habe ich mir gedacht: Ich drehe die Sache einfach mal um und versuche, das Positive im politischen und gesellschaftlichen Geschehen herauszustellen. Das gibt dem Ganzen gleich eine andere Tiefe. Diese Idee hat mittlerweile vier Jahre getragen. Am Anfang des Abends kann es schon mal vorkommen, dass Zuschauer  „Anlaufschwierigkeiten“, aber wenn man mitdenkt, dann läuft es. Und das Schöne: Ich habe damit ein Alleinstellungsmerkmal unter den Kabarettisten.

Donald Trump, Krieg im Syrien, die Verhaftung von Deniz Yüksel in der Türkei – verschweigen Sie in Ihrem Programm all die schlechten Nachrichten, die uns täglich erreichen?
Masuth: Nein, keinesfalls. Das wird alles abgehandelt –auch die Flüchtlingskrise, auch Griechenland und seine Schulden.

Was macht eine Nachricht zu einer guten Nachricht?
Masuth: Das liegt letztlich im Auge des Betrachters. Zu Donald Trump könnte man beispielsweise sagen: Niemand ist vollkommen nutzlos, er kann immer noch amerikanischer Präsident werden.

Im vergangenen Jahr haben Sie noch über Bill Clinton als zukünftigen „First Husband“ gewitzelt. Wir wissen, dass es anders gekommen ist. Müssen Sie als politischer Kabarettist Ihr Programm nicht eigentlich täglich umschreiben?
Masuth: Ja, ständig. Ich spiele das Programm im vierten Jahr und ich spiele die mittlerweile die 208. Fassung. Man muss täglich reagieren. Ich habe mir Weihnachten 2015 mal spaßeshalber die Premierenfassung angeguckt – den Anfangsteil und die Schlusssequenz gibt es noch, sonst hat sich fast alles verändert. Die Griechenland-Thematik ist wieder aktuell geworden. Und ich finde, manches muss man das den Leuten immer wieder mal näher bringen, weil so viele Fake News verbreitet werden.


Und wie gehen Sie mit Fake News um?
Masuth: Ich versuche sie, wenn möglich, zu entlarven. Viele sind ja der Meinung, dass Donald Trump nur aufgrund von russischen Hackerangriffen im amerikanischen Wahlkampf zum Präsidenten gewählt worden ist. Dazu sage ich: Das geht natürlich gar nicht, dass sich die Russen in den US-Wahlkampf einmischen, das geht nur anders herum: So wie 1996. Da haben die Amis den kompletten Wahlkampf von Jelzin organisiert.
Schon Hanns-Dieter Hüsch hat in seiner Kabarettprogrammen Orgel gespielt, Hagen Rether ist vielleicht der bekannteste Vermittler von boshaften Wahrheiten im Plauderton am Klavier. Auch Sie setzen sich immer wieder ans Klavier. Was machen Sie anders?
Masuth: Ich spiele ausschließlich Eigenkompositionen. Manche, weil ich meine, dass die Musik gut zum Text passt, andere, weil die Musik im Kontrast zum Text steht. Wenn ich etwa das Thema Waffenexporte mit C-Dur Klängen unterlege, hat das schon etwas sehr Spezielles. Für die gute Nachricht gibt es eine Art Jingle, der immer wieder auftaucht.

Angekündigt wird Ihr Programm als „politisch aktuell, mit Klavier, aber ohne Gesang“. Warum eigentlich nicht?
Masuth: Ich mag einfach Gesang im Kabarett nicht. Ich habe das am Anfang selber unterschätzt mit dem Klavierspielen und die Musik etwas stiefmütterlich behandelt. Aber die vielen positiven Rückmeldungen aus dem Publikum haben mich bestärkt, häufiger in die Tasten zu greifen. Außerdem: Wenn ich einen Text mit Musik unterlege, habe ich automatisch einen andren Sprechrhythmus.

Sie stammen aus Duisburg-Rheinhausen, leben aber seit einigen Jahren in Weimar. Warum?
Masuth: Ich habe 1999 mit meiner Frau und meinen Söhnen eine Tour auf den Spuren von Johann Sebastian Bach unternommen. Und da waren wir auch in Weimar, und wir waren begeistert. Zuhause haben wir gedacht: Warum eigentlich Rheinhausen?  Wir waren dann zu jeder Jahreszeit in Weimar – und dann war die Entscheidung gefallen.

Hat sich Ihr neuer Wohnort auf Ihre Arbeit ausgewirkt? Haben Sie jetzt mehr Auftritte im Osten?
Masuth: Nein, mehr Auftritte in Ostdeutschland habe ich seitdem nicht. Es gibt hier immer noch die sogenannte  Ossikabarettszene mit den Hochburgen, Leipzig, Dresden und Erfurt. Im Osten gibt es kaum Solokabarettisten, sondern meist Kabarettensembles. Für einige schreibe ich mittlerweile hin und wieder Texte.

Reagieren die Menschen in Ostdeutschland anders auf manche Pointen?
Masuth: Oh, ja! Ich habe einen Abschnitt, da geht um die Ukraine. Ich sitze am Klavier und sinniere darüber, wenn Putin die Krim heim ins Reich holt, vielleicht will er ja auch die DDR zurückhaben. Pause. „Ist das eine gute oder schlechte Nachricht?“ Im Osten lacht da keiner.

Und zum Schluss: Welcher Nachricht aus den letzten Wochen konnten Sie eine gute Wendung abgewinnen?
Masuth: Da muss ich überlegen. Vielleicht diese: Der HSV hat gegen Bayern eine zweistellige Niederlage erfolgreich verhindern können.

 

Karten gibt es aktuell noch zum Vorverkaufspreis von 13,50 Euro in der Villa Hecking, in allen AD Ticket Vorverkaufsstellen oder auch online unter www.adticket.de

 

https://mitteilungsblatt-online.de/2017/01/kulturprogramm-2017-bunte-mischung-aus-kabarett-pop-kunst-und-literatur/