Den Ruhestand am Mittelmeer zu verbringen, ist sicherlich der Traum vieler Rentner. Dass einmal ein Neuenkirchener Feuerwehrauto seine letzten Tage auf einer griechischen Insel verbringen wird, damit hat sicherlich niemand gerechnet.

Das langjährige „Arbeitstier“ der Freiwilligen Feuerwehr Neuenkirchen, das Löschgruppenfahrzeug LF20, wurde in diesem Jahr ausgemustert und nach fast 30 Jahren im Dienst durch ein modernes Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF20 ersetzt. Daraufhin wurde der Verein SAFeRS aktiv und kaufte das alte Feuerwehrauto der Gemeinde Neuenkirchen ab und die neue Zukunft in Griechenland stand bevor.

Über 2.000 Kilometer

SAFeRS steht für „Support Association for Fire- and Rescue Services“ und ist ein im Jahr 2016 gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich der Unterstützung und dem Aufbau von Feuerwehren und Rettungsdiensten, sowohl national als auch international, verschrieben hat. Bereits seit über zehn Jahren sind viele Mitglieder von SAFeRS international beim Aufbau von Feuerwachen und Rettungsstationen aktiv. Im Jahr 2016 wurde das Engagement und Fachwissen in einem Verein gebündelt.

Der Neuenkirchener Sven Volkert ist Vorstandsmitglied bei SAFeRS und zugleich freiwilliger Feuerwehrmann in Neuenkirchen, sowie hauptamtlich bei der Feuerwehr in Ibbenbüren tätig. „Wir haben eine Anfrage von einem befreundeten Verein aus Belgien bekommen, dass die Feuerwehr auf der griechischen Insel Fournoi unbedingt ein Fahrzeug sucht. Da passte es ganz gut, dass das Neuenkirchener LF20 gerade ausgemustert wurde“, berichtet Volkert im Gespräch mit dem Mitteilungsblatt. Spendengelder waren vorhanden, der Kontakt war hergestellt und so wurde der Kauf abgewickelt. Zwei Wochen fand das LF20 noch Herberge in der Scheune von Bernhard Volkert, dann war ein vorübergehener Stellplatz bei einer Feuerwehr im Mayen-Koblenzer-Raum gefunden, in unmittelbarer Nachbarschaft des Vereinsvorsitzenden Daniel Keifenheim.

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Der Weg nach Fournoi

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Der Weg nach Fournoi: 45.026950, 14.501953

 

„Dort wurde das Fahrzeug neu bestückt, denn einige Ausrüstungsteile sind in Neuenkirchen geblieben“, so Volkert weiter. Verschiedene Sachen wurden hinzugekauft, einige von anderen Wehren gespendet oder aus den Beständen des Vereins aufgefüllt. Voll ausgestattet ging es dann Mitte November auf die Reise. „Ich hab mir extra den Urlaub aufgespart, da wollte ich schon selber dabei sein, wenn unser Neuenkirchener Auto überführt wird“, so Volkert. Und so ging es am 17. November früh mit dem Zug nach Koblenz und noch am gleichen Tag zusammen mit Daniel Keifenheim im LF20 weiter Richtung Würzburg. Dort standen Schneeketten bereit, damit die Fahrt ohne Probleme durch Österreich führen konnte.

Doch bereits kurz vor der Grenze gab es eine Panne. In Mittenwald musste nachts die Wischwasserpumpe geflickt werden. „Man konnte nichts mehr durch die Scheibe erkennen und eine Werkstatt hatte so früh morgens noch nicht auf“, berichtet Volkert. Und so tauschten die beiden Feuerwehrmänner die defekte Membran einfach durch einen Latexhandschuh aus. „Das hat perfekt funktioniert“, so Volkert. Am 18. November ging es dann durch Österreich über den Brennerpass. „Das Ding hat geschnurrt wie ein Kätzchen, ohne Probleme rüber über die Alpen“, sagt Volkert stolz. Abends wurde dann in einem Vorort von Venedig übernachtet, bevor es am nächsten Tag auf die Fähre Richtung Patras/Griechenland ging. Die Kosten für die komplette Überfahrt hat dabei die Reederei ANEK-Lines übernommen. 33 Stunden dauerte die Überfahrt, das alte Feuerwehrauto stand im Bauch der Fähre zwischen Schwerlasttransportern und Wohnmobilen.

Am Festland angekommen ging es etwa drei Stunden an der Küste entlang nach Piräus bei Athen, wo das Auto bei der Küstenwache sicher abgestellt werden konnte und der Schweizer Martin Hofmann den Trupp in Empfang genommen hat. Hofmann ist ebenfalls im SAFeRS-Vorstand, Feuerwehrmann in der Schweiz, aber in Griechenland groß geworden und damit oft als Übersetzer für den Verein vor Ort. Nach einer kleinen „Vorstandssitzung“ ging es am nächsten Tag zur letzten Etappe wieder auf die Fähre nach Fournoi. Nach neun Stunden Überfahrt wartete abends um 23 Uhr bereits der örtliche Feuerwehrchef auf die drei SAFeRS und das Löschfahrzeug. „Wir wurden überschwänglich begrüßt und herzlich empfangen“, erinnert sich Volkert. Für die Nacht gab es Einzelzimmer und ein üppiges Abendessen.

Ausbildung auf der Insel

An den nächsten beiden Tagen folgte dann die Ausbildung an dem „neuen“ Auto. Fahreinweisungen, die Pumpe und das technische Gerät wurden erklärt, dazu genügend Fachsimpelei zwischen Feuerwehrmännern. „Die waren so happy über das neue Auto – einfach toll“, schwärmt Volkert. Bisher verfügte die Insel mit 1200 Einwohnern (im Sommer kommen rund 1500 Touristen dazu) über einen Pickup mit 800 Liter Wasser, einer kleinen Pumpe sowie Feuerpatschen und einen ausgedienter Milchlaster aus Deutschland für die Wasserversorgung.

„Da ist so ein voll ausgestattetes Feuerwehrauto mit 1600 Litern an Bord echt Gold wert“, so Volkert. Fünf Feuerwehrmänner, die halbwegs ausgebildet sind, gibt es auf der Insel. Wenn es brennt, ruft der Feuerwehrchef Einwohner an, die mit unterstützen. „Das kann sich unsereins gar nicht vorstellen. Die haben keine Sirenen, keine Meldeempfänger und auch keine Hydranten. Einzig ein Brunnen im Ort liefert Wasser für die Feuerwehr“, beschreibt Volkert die Lage dort.

„Eine tolle Erfahrung“

Nach zwei intensiven Ausbildungstagen und kameradschaftlichen Abenden hieß es, sich wieder auf den Heimweg zu machen. „Da es auf der Insel so gut wie keine Autounfälle gibt, wollten wir den technischen Hilfeleistungssatz – ebenfalls aus Neuenkirchen – noch der Feuerwehr auf dem Festland überreichen“, erklärt Volkert. Also machte sich der Dreier-Trupp wieder auf die Fähre, Schere und Spreizer im Handgepäck und eine überglückliche Inselfeuerwehr am Anleger.

Zurück auf dem Festland in Ikaria wurde die Ausrüstung von der örtlichen Feuerwehr dankend in Empfang genommen. Nach einer Ausbildung am Gerät ging es am nächsten Tag für Sven Volkert von Athen aus zurück nach Deutschland. „Das war eine tolle Erfahrung“, beschreibt Volkert das Erlebte. „Überhaupt war es die erste Fahrzeugübergabe, die komplett allein vom Verein abgewickelt wurde – aber mit Sicherheit nicht die letzte“, ist sich Volkert sicher. Die nötigen Urlaubstage dafür opfert der 29-Jährige gerne.

Wer Interesse an dem Verein SAFeRS hat, Mitglied werden oder mit Geld- oder Sachspenden unterstützen möchte, findet Infos im Internet oder kann sich direkt an Sven Volkert wenden.
www.safers-international.com