Ein Szenario wie jedes Jahr. Schon kurz vor sechs Uhr, noch in der Dämmerung, sind sie da. In die Fußgängerzone schleichen sich Autos, öffnen ihre Kofferräume und Anhänger. Tapeziertische, Kleiderständer, Kisten und Kartons quellen heraus. Bis sieben Uhr sind die Stände aufgebaut: es ist Kram- und Flohmarkt in Neuenkirchen.

„Je eher man da ist, um so näher sind die Parkplätze“, weiß ein Standbesitzer aus Erfahrung. „Die besten Geschäfte macht man, bevor das Volk kommt“, weiß ein Schnäppchensammler, auch aus Erfahrung.

Kinderkleidung, Stofftiere, Puppen, Spielzeug, Bücher und CDs, Raritäten wie alte Lampen, Schallplatten, Gesellschaftsspiele, Porzellan, Schuhe, Kitsch und Kunst – es gibt nichts, das es nicht gibt. Swenja Berning aus Ahaus verkaufte ein echtes Bauchtanzkleid aus 1001er Nacht: „Das hat mir meine Tante aus Damaskus mitgebracht. Es ist kein Trainings-, sondern ein echtes Aufführungskleid. Aber ich komme nicht mehr dazu“.


„Wir haben dieses Jahr mit gut 700 mehr Stände als in den vergangenen Jahren vergeben, aber es sind weit weniger Leute gekommen“, bestätigte Christin Politano vom Verkehrsverein Pro Neuenkirchen. „Ob es daran liegt, das die Leute übersättigt sind – es gibt jede Menge Garagen- und Kindergarten-Flohmärkte –, ob es am gleichzeitig stattfindenden Wettringer Dorffest oder am Wetter liegt? Wir wissen es nicht“.

Gegen Mittag, früher als planmäßig, war Schluss. „Wir haben nicht einmal ein Drittel verkauft von dem, was wir mitgebracht haben“, beklagt die kleine Anni. „Aber zusammen mit Papa und den Leuten hier – es hat irgendwie Spaß gemacht“. Den Rest lagern sie alle im Keller ein. Denn im nächsten Jahr sind sie alle wieder da. Bei hoffentlich frühlingshaftem Wetter.