Punkt 10.33 Uhr war es so weit: Mit dem ersten Takt des Musikzugs der Freiwilligen Feuerwehr Neuenkirchen setzte sich der närrische Lindwurm an der Marktstraße in Bewegung – und ganz Neuenkirchen war auf den Beinen. Fast 50 Fußgruppen und fünf Motivwagen zogen durch die Gemeinde und bescherten den Neuenkirchenerinne

n und Neuenkirchenern einen Rosenmontag, wie er bunter, lauter und fröhlicher kaum hätte sein können. Daran änderte auch das Wetter nichts: In der Nacht hatte es noch einmal kräftig geschneit, am Morgen kamen dann Nieselregen und Temperaturen über Null Grad dazu und verwandelten den Untergrund in Schneematsch und große Pfützen.

Bunter Tross schob sich durchs Dorf

Von der Marktstraße aus wanderte der Tross den bewährten Weg über den Thie, vorbei am alten Aldi, wo sich die Motivwagen einreihten. Entlang der Hauptstraße und der Friedenstraße ging es über den Feldhof in Richtung Reithalle Ulmker, wo sich im Anschluss zahlreiche Närrinnen und Narren zur fröhliche Rosenmontagsparty trafen. Schon früh säumten große und kleine Karnevalsfreunde in farbenfrohen Kostümen die Straßen. Immer wieder hallte ein kräftiges „Helau!“ durch die Menge, während Bonbons, Blumen und Popcorn durch die Luft segelten.

Angeführt wurde der Zug vom Musikzug der Feuerwehr, dicht gefolgt von Bürgermeister Willi Brüning und seiner Stellvertreterinnen Stephanie Attermeier und Tanja Gießelmann sowie dem Vorstand der organisierenden Vereinigten Schützengesellschaften (VSG). Dann übernahmen die Traditionsvereine das Regiment: Die Roten Husaren jubelten mit all ihren Garden und SolistInnen den ZuschauerInnen am Straßenrand zu, bevor der Heithöker Spielmannszug für schwungvolle Töne sorgte. Tanzgarde, Männerballett, Prinzenrat, Prinzenpaar und die ehemaligen Tollitäten der Heithöker reihten sich ein und bewiesen einmal mehr, dass Karneval auch hier generationsübergreifend gelebt wird. Die Abordnungen aus St. Arnold, der Dorfbauerschaft, aus Sutrum-Harum, Offlum und Landersum präsentierten sich in voller Stärke – mit Elferräten, Spielmannszügen, Garden, Prinzenpaaren und Vorständen. Besonders ins Auge stachen die fünf aufwendig gestalteten Motivwagen, die mit viel Liebe zum Detail vorbereitet worden waren.

Hoch hinaus ging es beim Motivwagen des Rolinck-Stammtischs. Unter dem Motto „Raumfahrt“ hatten sich die Jecken als Astronauten verkleidet und thronten über den Köpfen der Zuschauer. Von ihrer „Umlaufbahn“ aus hatten sie den besten Überblick über das närrische Treiben und schickten ihre süßen Grüße auf die „Erde“ und die jubelnden Jecken. 

Lucky Luke, Miami Vice und Quitscheentchen

Deutlich „bodenständiger“, aber nicht weniger rasant, präsentierten sich die Jungschützen der Dorfbauern. Als Cowboy Lucky Luke schossen sie schneller als ihre Schatten und zogen mit breitem Grinsen durch die Straßen. Colts wurden zwar keine gezückt, dafür aber umso mehr Süßigkeiten verteilt – zur Freude der Kinder, die mit offenen Taschen und leuchtenden Augen am Rand standen.

Der Offlumer Elfferrat 2024 als Miami Vice und der Elferrat 2026 hatten zwei tolle Motivwagen gebaut. Letzterer lief unter dem Karnevalsmotto: „Zieh den Stöpsel aus der Wanne – Troloo feiert volle Kanne!“ und war mit denselben lustigen Quietscheentchen verziert wie das Bühnenbild bei der Prinzenproklamation „Offlum Troloo“ – ein absoluter Hingucker.

Abwechslungsreiches Bühnenprogramm

Als Müllmänner verkleidet hatten sich die KLJBler und schossen mit ihren Kanonen die Süßigkeiten in das jubelnde Volk. Auch bei den ZuschauerInnen zeigte sich die ganze Bandbreite närrischer Kreativität. Von Sonnenblumen über Super Mario bis hin zu klassischen Clowns war alles vertreten, was die bunte Kostümkiste hergibt. Glitzer, Perücken, Schminke und fantasievolle Eigenkreationen sorgten für ein farbenprächtiges Bild, das selbst den grauen Winterhimmel vergessen ließ.

Kaum hatte man sich an das bunte Spektakel gewöhnt, bog der Zug auch schon auf die Zielgerade ein. Doch ein Ende der Feierlaune war damit noch lange nicht erreicht. In der Reithalle Ulmker wartete ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm, das den Rosenmontag gebührend abrundete. Den Auftakt machte die Kindergarde aus Sutrum-Harum mit ihrem Schautanz „Achtung Baustelle – hier tanzt die Kindergarde“. Mit Helm und viel Energie wirbelten die jüngsten Tänzerinnen über die Bühne. 

Tanzgarden bringen Stimmung zum Sieden

Es folgten die Solistinnen Josefine Hamann und Laura Garmann aus St. Arnold sowie weitere Garden und Formationen. Die Kindergarde aus Heithoek entführte das Publikum auf den Bauernhof, während die Juniorengarde aus Offlum mit „Alice im Offlumer Wunderland“ eine fantasievolle Reise präsentierte. Die Roten Husaren überzeugten mit einem mitreißenden Solistenmedley sowie dem Junioren-Schautanz „Im Takt gefangen – im Beat befreit“. In St. Arnold ging es zurück in die 70er Jahre ins „Boogie Wonderland“, bevor die Vorstellung der Prinzenpaare durch die VSG einen weiteren Höhepunkt setzte. Hier zeigte sich noch einmal die ganze närrische Vielfalt Neuenkirchens. Ob Aprés-Ski-Feeling der Sutrum-Harumer, „Bella Italia“ bei der Juniorengarde aus St. Arnold oder „Ahoi ihr Landratten – die Theke ruft!“ bei den LA Sisters aus Landersum – das Publikum feierte jede Darbietung mit begeistertem Applaus. Als der Harumer Express einrollte und die Seniorengarde aus St. Arnold ihr „Experiment Roter Funke“ präsentierte, war die Stimmung in der Halle auf dem Siedepunkt.

Große Beteiligung der Vereine und viele Helfer

So endete ein Rosenmontag, der einmal mehr bewies: In Neuenkirchen versteht man es, gemeinsam zu feiern. Fast 50 Gruppen, fünf Motivwagen, unzählige ehrenamtliche Helferinnen und Helfer – und ein Ort, der zusammensteht. Denn Karneval ist schließlich nur einmal im Jahr. Und wenn Astronauten, Cowboys und Müllmänner gemeinsam durch die Straßen ziehen, dann weiß man: Neuenkirchen ist im Ausnahmezustand – im allerbesten Sinne.